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Infos aus Freiburgs Modellstadtteil Vauban zum nachhaltigen Leben



Tiere in Vauban


Von der Baustelle zum Lebensraum
Aus der Sicht der Natur ist Vauban die Geschichte der Wiederbesiedelung eines verloren gegangenen Lebensraumes. Der Vorgang hat sich hier sogar zweimal abgespielt. Vor dem Kasernenbau 1937 war das Gelände ein naturnah belassenes Feuchtgebiet, das stark durch den Dorfbach geprägt war. Später, während der militärischen Nutzung des Geländes haben sich Tiere höchstwahrscheinlich nur in Nischenräumen angesiedelt. Das Artenspektrum hat sich vermutlich auf einige Vogelarten, gewisse Nager, Spinnen und Insekten beschränkt – Mikroorganismen und Bakterien einmal außer Acht gelassen!

Als 1998 und 1999 die ersten Häuser bezogen wurden, waren die Menschen weitgehend unter sich. Die Bodenbewegungen und der Baustellenbetrieb hatten Tiere im Quartier weitgehend vertrieben. Einige Rabenkrähen behaupteten sich hoch oben in den Baumkronen, verstörte Mäuse und Ratten, die einst in den abgerissenen Kasernengebäuden hausten, suchten Zuflucht in den Neubauten. Und da waren noch einige Katzen, welche von den französischen Truppen zurückgelassen wurden.
Kolonien von Mauerseglern und Fledermäusen
Interessant waren die Dachböden der Kasernen. Ornithologen haben Fledermauspopulationen nachgewiesen, die sich dort bis in die Zeit der Stationierung der französischen Armee aufhielten. Weil die Dächer unter der Traufe einen offenen Schlitz aufwiesen, konnten Mauersegler die Dachräume als Brutplatz nutzen. Folglich gab es im Kasernenareal große Mauerseglerkolonien. Dem Vogel des Jahres 2003 ging es im neuen Stadtteil leider an den Kragen. Von einst 28 Kasernengebäuden wurden 16 abgerissen. Außer den vier Blöcken der S.U.S.I. und beim Stadtteilzentrum wurden die Schlitze unter den Traufen der restlichen Gebäude (Studentendorf Vauban, DIVA) verschlossen. Entgegen den gültigen Naturschutzbestimmungen hat es die Stadtverwaltung versäumt, Ersatznistplätze bereitzustellen. Das geschah erst aufgrund von Bürgereinsprüchen bei der Naturschutzbehörde. Am Erweiterungsbau der Karoline-Kaspar-Schule wurden im Nachhinein dann vier Mauersegler-Nistkästen angebracht.

Beim Umbau des Stadtteilzentrums wurde auch der Dachraum renoviert. Leider betraf dies auch die Bruträume der Mauersegler. Man hat aber den Vogelschutz mit berücksichtigt und neue Nistmöglichkeiten mit Einflugschlitzen gestaltet. Die Bauarbeiten konnten jedoch nicht zur nächsten Brutsaison fertiggestellt werden, so daß die im Frühjahr zurückkommenden Vögel ihre angestammten Quartiere nicht beziehen konnten. In den Folgejahren ist man bemüht, die Mauersegler durch gezielte Lockrufe anzusiedeln. Dabei ist Geduld vonnöten, denn die Vögel sind nur schwer für ein neues Quartier zu gewinnen.
Die erste Amsel...
Der Frühling 2000 in Vauban war irritierend still, was den Vogelgesang am Morgen anging. Bienen, Schmetterlinge, Libellen – nichts! Als im Sommer plötzlich eine Amsel am Balkon auftauchte, wurde das schon fast als eine Sensation empfunden. Im ersten Bauabschnitt wurde es langsam ruhiger und die ersten Gärten ergrünten. Den Amseln folgten Spatzen und Meisen. Die Hohlräume unter Holzterrassen im Parterre erwiesen sich als ideale Igelquartiere.

Viele Baugruppen haben ihr Außengelände naturnah gestaltet, mit Sträuchern, die Vögeln Quartiere und Nahrung bieten, mit Blüten, wo sich Schmetterlinge und Bienen mit Nektar versorgen können. Tatsächlich wurden auch schon Kröten in Vorgärten und auf Grünspangen gesichtet.
Es fehlen in Vauban noch viele Nistquartiere
Wo es alledrings noch immer Defizite zu beklagen gibt, das sind Nistquartiere für Höhlenbrüter (Kohlmeisen) und Halbhöhlenbrüter (Hausrotschwanz), und auch Nisthilfen für Wildbienen. Es ist sehr einfach und kostenneutral, schon beim Hausbau spezielle Niststeine ins Mauerwerk einzufügen. Das Forum Vauban und später der Stadtteilverein bemühten sich, Architekten dafür zu gewinnen. Es erwies sich aber als sehr schwierig, die Planer von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Das Wissen über Naturschutz am Haus wird in einem Architekturstudium selten vermittelt. Der Naturschutzbund hat zum Thema ein Faltblatt hergestellt. Auch nachträglich können Nistkasten und "Wildbienen-Hotels" noch am Haus angebracht werden.
Der Mensch ist von den Wildbienen abhängig
Der Ausspruch "Vier Jahre nachdem die Bienen gestorben sind, stirbt der Mensch" wird Albert Einstein nachgesagt. Ohne Blütenbestäubung durch Insekten würde das Obst- und Gemüseangebot eines Marktstandes in der Tat sehr ärmlich aussehen. Rund 95 Prozent der angebotenen Ware wäre verschwunden. Gifte aus der Agrochemie und die verloren gehenden Nistmöglichkeiten haben zu einem dramatischen Rückgang der Wildbienen bei uns geführt. Im Totholz von Wald und Flur oder in den Balken der Fachwerkhäuser haben Käfer Gänge gebohrt, die den Wildbienen willkommene Nistmöglichkeiten boten. Im ökonomisierten Waldbau gibt es keinen Platz mehr für Totholz und in der modernen Architektur gibt es kaum noch Materialien, wo Insekten Gänge hinein bohren könnten.

Deshalb ist es im ureigensten Interesse der Menschheit, für Wildbienen Ersatznistmöglichkeiten anzubieten. Das geht gut auf dem Balkon, denn Wildbienen sind kaum aggresiv, da ihnen der Trieb zur Verteidigung der Staatengemeinschaft fehlt. Eine Bauanleitung für ein einfaches Bienenhotel ist auf den Seiten von naturConcept abgebildet.
Lebendige Rasenmäher ohne Lärm und Gift
Rasenmähen kann erheblich mit Lärm und Abgasen verbunden sein. So stößt ein Zweitakt-Rasenmäher pro Stunde so viele schädliche Kohlenwasserstoffe aus wie 200 Autos mit Katalysator. mehr.. Ein mit gewöhnlichem Benzin betriebener Rasenmäher produziert dieselbe Schadstoffmenge wie 26 Autos. mehr.. Solch eine Rasenpflege hat Folgen: Die Gifte haften am Gras und reichern sich in den oberen Bodenschichten an. Kinder sollten mit solch einem Giftrasen nicht in Kontakt kommen! Wer mehr Informationen erhalten möchte, sollte einmal "Rasenmäherlärm" und "Dioxin" in einer Suchmaschine eingeben. Im Ergebnis sind mehrere hundert Quellen zu erwarten. Ökotest hat am 09. März 2009 einen Rasenmähertest veröffentlicht.

Es geht aber auch ganz im Sinne des nachhaltigen Modellstadtteils: Ponys vom Kinderabenteuerhof wurden hin und wieder zur Rasenpflege am Stadtteilzentrum eingesetzt. Auch die Schafe und Ziegen könnten gute Dienste leisten. Damit die schönen Blumen und Ziersträucher nicht mit abgefressen werden, sollten die Tiere mit einem mobilen Schutzzaun eingepfercht werden. Hier könnten sich doch einmal Nachbarn zusammentun und eine Initiative gründen...

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